Wenn von ETFs (Exchange-Traded Funds) die Rede ist, klingt die Sache oft verblüffend einfach: Sie kaufen einen einzigen Anteil, und dieser folgt den Bewegungen eines ganzen Index, etwa des S&P 500. Das mag sich wie Finanzmagie anfühlen. Dahinter steckt jedoch eine bemerkenswert präzise Konstruktion.
Stellen Sie sich vor, Sie stehen in einer Küche und möchten einen «globalen Früchtekorb» zusammenstellen, der den gesamten Früchtemarkt exakt abbildet. Dafür gibt es drei Wege.
Physische Vollreplikation: Sie kaufen jede einzelne Frucht auf dem Markt, und zwar genau in der richtigen Gewichtung.
Physische Teilreplikation: Der Index enthält Tausende seltener Früchte, die schwer und teuer zu beschaffen sind. Etwa Stachelannone oder Borojó aus Kolumbien. Also kaufen Sie nur die 50 repräsentativsten Sorten, die den Grossteil des Geschmacks abdecken. Das senkt die Transaktionskosten. Es kann aber einen «Tracking Error» verursachen, also eine leichte Abweichung vom Index.
Synthetische Replikation: Sie kaufen überhaupt keine Früchte. Sie schliessen stattdessen einen Vertrag mit einem grossen Agrarhändler. Sie halten einen Bestand an stabilen Vermögenswerten als Sicherheit, zum Beispiel Äpfeln. Der Händler verpflichtet sich, Ihnen die Wertentwicklung des exotischen Früchtekorbs zu vergüten. Im Gegenzug erhält er den Ertrag Ihrer Äpfel. Getauscht wird über ein Finanzgeschäft, einen sogenannten Swap. Das ergibt eine nahezu perfekte Nachbildung. Es bringt aber ein Kontrahentenrisiko mit sich, also die Möglichkeit, dass der Händler seinen Verpflichtungen nicht nachkommt.
Diese Konstruktion hat ihren Preis: die jährliche Verwaltungsgebühr des Fonds. Sie liegt in der Regel zwischen 0.05 % und 0.75 % und wird direkt vom Wert des zugrunde liegenden Korbs abgezogen.
Was im Korb liegt, sieht man dem Börsenkurs allerdings nicht an. Dieser entsteht laufend im Handel, aus Angebot und Nachfrage. Damit er sich nicht vom tatsächlichen Wert der Bestandteile entfernt, greifen grosse Handelshäuser ein, die sogenannten Authorized Participants. Ist der ETF-Anteil zu teuer, kaufen sie die zugrunde liegenden Wertpapiere, bündeln daraus neue Anteile und verkaufen diese. Ist er zu günstig, kaufen sie die Anteile, zerlegen sie und verkaufen die Bestandteile einzeln.
Ein ETF ist also weit mehr als ein blosses Abbild eines Index. Selbst wenn Sie sich zurücklehnen und den Index einfach laufen lassen: Im Hintergrund arbeitet eine komplexe, sich selbst korrigierende Mechanik daran, dass Ihr Anteil dem Index so genau wie möglich folgt.
Hinweis: Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschliesslich des möglichen Verlusts des investierten Kapitals. Der Wert von Anlagen kann schwanken, und es gibt keine Garantie, Gewinne zu erzielen oder Verluste zu vermeiden. Diversifikation garantiert keinen Gewinn und schützt nicht vor Verlusten. Potenzielle Anleger sollten einen qualifizierten Finanzberater konsultieren, bevor sie Anlageentscheidungen treffen. Bitte lesen Sie die vollständigen Risikohinweise und andere relevante Dokumente auf unserer Website, bevor Sie investieren.
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