Der G7-Gipfel beherrscht die Schlagzeilen und die Zentralbanken melden sich zu Wort, diesen Monat scheinen die Verantwortlichen wieder das Sagen zu haben. Doch wie wir in unserem «Märkte im Überblick» zeigen, hören die Aktienmärkte nur mit einem Ohr zu. Sie jagen lieber den neuesten glänzenden Trends hinterher, während die Politik versucht, Ordnung zu bewahren.
In unserer Rubrik «Reden wir Klartext» treten wir einen Schritt zurück vom makroökonomischen Lärm und widmen uns einer grundlegenden Frage: Wo landet Ihr Geld eigentlich, wenn Sie investieren? Kleiner Hinweis vorab: Meistens nicht dort, wo Sie denken.
Zum Schluss analysieren wir gemeinsam mit den Experten von PLUS die jüngste Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank, die Zinsen bei 0.00 % zu belassen und erläutern, was dieser stille Status quo für Ihre Hypotheken und Anlagen bedeutet.
Viel Vergnügen beim Lesen.
Inhaltsverzeichnis
- Die Märkte im Überblick: Die Grossen haben das Wort
- Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Die Entwicklung der Aktien
- Die Entwicklung der Anleihen
- Die Entwicklung von Rohstoffen, Währungen und digitalen Vermögenswerten
- Reden wir Klartext: Wo landet Ihr Geld wirklich beim Investieren?
- SNB: Vierter Halt bei 0.00 %... Aber wie lange noch?
Die Märkte im Überblick: Die Grossen haben das Wort
Song des Monats: «The adults are talking» von The strokes
Mit steigenden Temperaturen und dem Einzug des Sommers erwacht Genf langsam aus seiner Post-G7-Lethargie. Geschäfte öffnen wieder ihre Türen, Fussballfans füllen die Bars, und Kinder strömen in die Schwimmbäder. Die Erwachsenen haben gesprochen, das Leben kann weitergehen. Passend dazu lehne ich mich an den Strokes-Song an: «The adults are talking.»
Während einige protestierten und die Steuerzahlenden die Rechnung übernahmen, redeten die Erwachsenen tatsächlich. Worüber genau? Das werden wir wohl nie vollständig erfahren. Am diesjährigen G7-Gipfel befassten sich die Staats- und Regierungschefs zwischen Überraschungsgästen, markigen Aussagen und dem Wettlauf um Selfies mit grossen strategischen Themen: bewaffnete Konflikte, Abhängigkeiten bei kritischen Rohstoffen, makroökonomische Ungleichgewichte und der Aufstieg der künstlichen Intelligenz. Viel Wirbel, wenige konkrete Entscheide, aber immerhin die Ankündigung eines möglichen Abkommens zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Wenn die Gespräche der Verantwortlichen helfen, Leben zu retten, bleiben wir gerne in unserem Zimmer.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
G7, ein mögliches Friedensabkommen… im Juni übernehmen die Erwachsenen wieder das Ruder.
Die Aktienmärkte hören allerdings nur mit halbem Ohr zu: schwankende Performance und weiterhin die Vorliebe für alles, was glänzt.
Bei Anleihen melden sich die Zentralbanken wieder zu Wort und schlagen härtere Töne an.
Mit Aussicht auf ein Abkommen zwischen den USA und Iran entspannen sich die Ölpreise, während Gold seine Korrektur fortsetzt.
Bei digitalen Vermögenswerten werden Kryptowährungen zur heissen Kartoffel, die Abflüsse halten an.
Die Entwicklung der Aktien
Die Aktienmärkte zeigten sich kaum beeindruckt. Vielleicht waren sie schlicht mit spannenderen Dingen beschäftigt, wie dem SpaceX-Börsengang, zweifellos packender als den Politikerinnen und Politikern zuzuhören.
Ausserhalb der USA verbuchten die meisten Indizes seit Monatsbeginn bescheidene Gewinne, wenn auch in trägem Tempo. Der Markt bleibt zweigeteilt: auf der einen Seite die mutmasslichen KI-Profiteure, auf der anderen Seite der Rest. Getreu dem Motto jagen Anleger weiter allem hinterher, was glänzt.
Das Rennen um die grösste Marktkapitalisierung bleibt fesselnd. In nur wenigen Wochen stiessen drei Unternehmen (Micron, SpaceX und Eli Lilly) zum exklusiven «Billionen-Dollar-Club». Das riecht durchaus nach Überschwang, auch wenn sich einige wichtige Abwärtsrisiken verringert haben.
Die Entwicklung der Anleihen
Ein weiterer «Erwachsener» in den Schlagzeilen ist Kevin Warsh, der neue Fed-Vorsitzende. Seine Ernennung befeuerte monatelang die Spekulationen, und seine erste Rede signalisiert einen klaren Kurswechsel gegenüber Jerome Powells Ansatz: Reformbereitschaft bei der Fed, erneuter Fokus auf Preisstabilität und ein anderer Kommunikationsstil.
Die Anleihemärkte beobachten das Geschehen aufmerksam und preisen zunehmend Zinserhöhungen bis September ein.
Auf der anderen Seite des Atlantiks ist die Europäische Zentralbank bereits aktiv geworden und hat die Zinsen um 25 Basispunkte angehoben, eine Reaktion auf den erneuten Inflationsdruck im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt und das Ende von mehr als einem Jahr geldpolitischer Untätigkeit.
Die Schweizerische Nationalbank spielt derweil auf Zeit und gibt der Frankenstärke Vorrang vor Inflationssorgen. Nicht ideal für Sparerinnen und Sparer, aber zumindest scheint die Ära der Negativzinsen nun endgültig vorbei.
Die Entwicklung von Rohstoffen, Währungen und digitalen Vermögenswerten
Bei den Rohstoffen steht Öl weiterhin im Mittelpunkt. Die Aussicht auf ein dauerhaftes Abkommen mit Iran hat zur Entspannung beigetragen und die Preise zum Zeitpunkt der Abfassung auf rund 74 USD pro Barrel gedrückt.
Gold setzt unterdessen seine Korrektur fort, kaum überraschend nach der starken, spekulationsgetriebenen Performance der letzten Jahre.
Bei Kryptowährungen hat sich das Blatt gewendet. Vor einem Jahr konnte jede Nachricht die Kurse in die Höhe treiben; heute vermögen selbst positive Entwicklungen kaum Interesse zu wecken.
Bitcoin entwickelt sich zur heissen Kartoffel, die Anleger immer weniger lange halten wollen. Vielleicht braucht der Markt wieder einen Erwachsenen, der die Geschichte neu entfacht.
Insgesamt brachte der Juni einige gute Nachrichten. Trotz politischer Spannungen gelang es dem G7-Gipfel zumindest, die Erwachsenen wieder an einen Tisch zu bringen. Viele Indikatoren haben sich ins Positive gedreht, gute Nachrichten für die Märkte.
Das Risiko besteht nun darin, dass die Märkte weitere gute Nachrichten brauchen, um weiter zu steigen, und dass negative Überraschungen ausbleiben müssen. Keine leichte Aufgabe bei Bewertungen nahe den Allzeithochs und Anlegern, die an ihre Grenzen gehen.
Schliesslich… wer weiss schon, was passiert, wenn man die Kinder zu lange vor dem Fernseher lässt?

Reden wir Klartext: Wo landet Ihr Geld wirklich beim Investieren?
Finanzmärkte funktionieren ähnlich. Unternehmen erhalten Ihr Geld nur bei der Ausgabe neuer Aktien, beim Börsengang, bei Kapitalerhöhungen oder Privatplatzierungen. Danach werden diese Aktien am Sekundärmarkt gehandelt, wo Anleger untereinander kaufen und verkaufen.
Und genau dort findet der Grossteil des Handels statt.
Konkret heisst das: Wenn Sie investieren, fliesst Ihr Geld meist nicht ans Unternehmen. Es geht an einen anderen Anleger. Sie führen kein frisches Kapital zu, sondern übernehmen einen Anteil. Das klingt nach einem technischen Detail, hat aber wichtige Folgen. Denn auch wenn das Geld nur den Besitzer wechselt, macht der Preis den Unterschied, wenn das Geld nur den Besitzer wechselt? Ja, wegen des Preises.
Der Preis, zu dem Anleger Aktien handeln, hat reale Auswirkungen. Ein hoher Aktienkurs erleichtert künftige Kapitalaufnahmen, ermöglicht Übernahmen mit eigenen Aktien und macht aktienbasierte Vergütungen für Mitarbeitende attraktiver. Er prägt auch das Marktbild des Unternehmens.
Marktpreise funktionieren dabei wie Immobilienwerte. Steigt der Wert einer Liegenschaft, lässt sich leichter Kredit aufnehmen, sie als Sicherheit nutzen oder zu besseren Konditionen verkaufen, auch ohne kürzliche Transaktion. Bei Unternehmen ist es genauso.
Das relativiert auch den Begriff «Impact». Wenn die meisten Investments Unternehmen nicht direkt finanzieren, ist die Vorstellung, mit einem Aktienkauf ein Unternehmen unmittelbar zu unterstützen, übertrieben. Trotzdem ist Kapitalallokation nicht neutral. Indem Anleger die Nachfrage auf bestimmte Unternehmen lenken, beeinflussen sie deren Bewertung und indirekt die Wachstumsbedingungen.
Letztlich geht es beim Investieren nicht nur um Unternehmensfinanzierung. Es geht um Beteiligungen in einem System, in dem andere Anleger ständig die Preise prägen. Meist geben Sie kein Geld an ein Unternehmen. Sie kaufen jemandem einen Anteil ab. Genau deshalb sollten Sie weniger auf den Markt reagieren und mehr überlegen, wie Sie sich darin positionieren.
SNB: Vierter Halt bei 0.00 %... Aber wie lange noch?
Artikel in Zusammenarbeit mit PLUS, dem Schweizer Experten für Buchhaltung, Steuern, Versicherungen und Hypotheken.
Drei Monate nach ihrer letzten Entscheidung hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) den Leitzins bei 0.00 % belassen. Diese Entscheidung die vierte Pause in Folge auf diesem Niveau, war allgemein erwartet worden.
Für Wohneigentümer, Kaufinteressierte und Investierende verlängert diese Entscheidung das grundsätzlich günstige Finanzierungsumfeld. Kundinnen und Kunden mit SARON-Hypotheken profitieren weiterhin von der aktuellen Geldpolitik, und die Festzinssätze entwickeln sich in relativ stabilen Bahnen.
Doch hinter diesem neuen Status quo verbirgt sich eine subtilere Botschaft: Die SNB bewegt sich heute nicht, hält sich aber alle Optionen für morgen offen.
Erfahren Sie, was dieser ruhige Status quo für Ihre Hypotheken und Anlagen bedeutet…
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