Marktanalysen
Börse
By Alpian6. Juni 2026

Die Märkte im Überblick: Happy together

Der Klassiker heisst zwar «Happy together», doch diesen Monat sind zwei der wichtigsten Marktteilnehmer alles andere als das. Aktien und Anleihen erzählen völlig unterschiedliche Geschichten und schaffen damit ein rätselhaftes und widersprüchliches Umfeld für alle Anlegerinnen und Anleger.

In unserem "Die Märkte im Überblick" beleuchten wir diese faszinierende Unstimmigkeit und prüfen, welche Seite die überzeugenderen Argumente hat und was das für Ihr Portfolio bedeutet.

Im "Reden wir Klartext" widmen wir uns dann einem anderen Grossereignis: dem Börsengang (IPO) von SpaceX. Ein spektakulärer Deal sorgt derzeit für Schlagzeilen. Wir untersuchen, ob es klug ist, gleich am ersten Tag aufzuspringen.

Zum Schluss: Mit unserem erweiterten Vorsorge-Angebot möchten wir sicherstellen, dass Sie und Ihre Altersvorsorge langfristig «Happy together» sind.

Viel Spass beim Lesen.

Die Märkte im Überblick: Happy together

Song des Monats: "Happy together" von The Turtles

Wir alle kennen solche Paare: Der eine ist ewiger Optimist, die andere eingefleischte Pessimistin. Zwei Menschen mit grundverschiedenen Lebenseinstellungen, die trotzdem zusammenfinden und oft ein Leben lang zusammenbleiben. Sie wissen genau, was ich meine. Ich persönlich finde sie faszinierend. Ihre Dynamik hat etwas Berührendes und zugleich Fesselndes. Wie schaffen es solche Gegensätze, ein stimmiges und letztlich glückliches Ganzes zu bilden?

Ihnen widme ich diesen Marktkommentar, passenderweise untermalt von "Happy together" von The Turtles (1967).

Ein ähnliches Gespann gibt es in der Investmentwelt: Die Aktienmärkte als ewige Optimisten und die Anleihemärkte als notorische Bedenkenträger. Dabei sind sie nur zwei Seiten derselben Medaille, nämlich der Finanzierung der Realwirtschaft. Falls Sie meinen, ich übertreibe: Besuchen Sie einfach mal eine Sitzung des Anlageausschusses. Sie werden sofort erkennen, wer für Anleihen und wer für Aktien zuständig ist.

Diesen Monat jedoch ist das Klischee mehr als berechtigt. Die Reaktionen auf dieselben Wirtschaftsdaten und geopolitischen Rahmenbedingungen könnten kaum unterschiedlicher ausfallen.

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Wie ein altes Ehepaar betrachten Aktien- und Anleihemärkte diesen Monat die Zukunft aus völlig unterschiedlichen Blickwinkeln.

  • Die Aktienmärkte strotzen vor Optimismus und verzeichnen solide Kursgewinne.

  • Die Anleihemärkte hingegen sorgen sich um eine Rückkehr der Inflation und geraten ins Wanken. Wem sollen wir also glauben?

  • Andernorts verharrt Öl über 100 USD pro Barrel, Gold schwächelt und Kryptowährungen fahren weiter Achterbahn.

Die Entwicklung der Aktien

Beginnen wir mit den Fakten. Auf der einen Seite haben wir einen anhaltenden Konflikt im Nahen Osten, Öl wieder über 100 USD und steigende Inflationszahlen. Auf der anderen Seite eine starke Berichtssaison kurz vor dem Abschluss, die Unternehmen in robuster Verfassung zeigt, und erste Anzeichen für einen neuen Dialog zwischen den Grossmächten.

Ein klassischer Fall von gemischten Signalen, die Interpretationsspielraum lassen.

Die Aktienmärkte haben ihre Wahl getroffen: Sie sehen das Glas als halb voll. Der Beweis? Der S&P 500 ist seit Monatsbeginn um 5.0% gestiegen, der SMI hat 3.1% zugelegt. Aus ihrer Sicht bleibt der Inflations- und Wachstumsschock durch die Spannungen im Iran beherrschbar.

Beherrschbar erstens, weil sich die Lage wieder normalisieren könnte. Und zweitens, weil die von KI versprochenen Produktivitätsgewinne auf mittlere und lange Sicht deutlich gewichtiger erscheinen. Genug, um aus ihrer Sicht die kurzfristigen Sorgen zu relativieren.

Dennoch verdient dieser Optimismus eine differenzierte Betrachtung. Hinter der starken Schlagzeilen-Performance bleibt die Streuung innerhalb der Indizes erheblich. Investoren werden zunehmend selektiv und bevorzugen grosse Tech-Werte und Regionen, die zu Recht oder Unrecht als sicherer wahrgenommen werden. Kurz gesagt: optimistisch, aber wählerisch.

Die Entwicklung der Anleihen

Die Anleihemärkte hingegen konzentrieren sich klar auf das halb leere Glas. Es ist schon eine Weile her, dass wir einen derart breiten Anstieg der langfristigen Renditen gesehen haben.

In der Schweiz hat sich die 10-Jahres-Rendite innerhalb eines Monats fast verdoppelt. In den USA näherte sich die 10-Jahres-Rendite der 5%-Marke. Und die Bewegung ist global.

Die Interpretation ist eindeutig: Erwartungen höherer Inflation, ein Energieschock und anhaltende strukturelle Defizite. Investoren verlangen jetzt eine höhere Prämie für das Halten langfristiger Anleihen.

Wo Aktien sagen: «Das Wachstum hält sich, kein Grund zur Sorge, bessere Zeiten kommen», antworten die Anleihemärkte:

«Vielleicht bleibt das Wachstum robust, aber Sie übersehen die Inflation... und den massiven Schuldenberg, auf dem wir sitzen.»

Die Entwicklung von Rohstoffen, Währungen und digitalen Vermögenswerten

Wem sollten wir also glauben?

Wie in den meisten Beziehungen liegt die Wahrheit wahrscheinlich irgendwo dazwischen. Ihre Meinungsverschiedenheit spiegelt nicht nur das Umfeld wider, in dem sie agieren, sondern auch die Rückkopplungsschleifen, die sie selbst erzeugen.

Und wie so oft stehen die «Kinder» mittendrin.

Wenn wir die Analogie weiterführen, wirken die Rohstoffmärkte wie das älteste Kind in einer ausgewachsenen Pubertätskrise. Gold spielt das unsichere mittlere Geschwister, das seine Rolle und Richtung nicht kennt. Und das jüngste, die Kryptowährungen, versucht seinen ganz eigenen Weg zu gehen.


Was sollten Anleger daraus lernen?

Erstens: Divergenzen zwischen Aktien- und Anleihemärkten sind eher die Regel als die Ausnahme. Sie zeigen, wie das Marktsystem dieselbe Realität durch unterschiedliche Brillen interpretiert.

Zweitens: Solche Konstellationen kündigen nicht zwangsläufig eine Krise an. Historisch betrachtet folgten auf Phasen steigender Renditen bei gleichzeitig steigenden Aktienkursen häufiger weitere Aktiengewinne und anschliessend sinkende Renditen – nicht etwa eine Aktienmarktkorrektur.

Drittens: Man muss sich nicht für eine Seite entscheiden. Beide Anlageklassen ergänzen sich im Portfolio aus gutem Grund – genau wie Optimisten und Pessimisten oft dauerhafte Partnerschaften bilden: Sie sind komplementär, verfolgen ein gemeinsames Ziel und funktionieren meistens gut zusammen.


Reden wir Klartext: Börsengang

Die Schlagzeilen der letzten Wochen quellen über vor Informationen und Updates zu SpaceX und dem geplanten Börsengang von Elon Musks Raumfahrtunternehmen – kurz IPO.

Bei einem Börsengang wandelt sich ein Unternehmen vom Privatbesitz in eine öffentlich handelbare Aktiengesellschaft. Ein Teil der Unternehmensanteile geht an Aktionäre über, das bringt dem Management sowohl Chancen (Kapitalzufluss) als auch Herausforderungen (weniger Kontrolle).

Der IPO-Prozess ist ein langwieriger Verwaltungsakt, der sich oft über mehrere Monate hinzieht. Er erfordert unzählige Einreichungen und Verfahren: von der Genehmigung durch den Verwaltungsrat über die Sorgfaltsprüfung bis zur Festlegung des Ausgabepreises.

Was diesen Börsengang von allen anderen in der Geschichte unterscheidet, ist das schiere Volumen. Ersten Berichten zufolge will SpaceX zwischen 70 und 80 Milliarden Dollar aufnehmen. Das würde das Unternehmen mit rund 1.75 Billionen Dollar bewerten und Elon Musk zum ersten Billionär der Welt machen.

Aber lohnt es sich, auf den fahrenden Zug aufzuspringen und als Erster Aktien eines frisch an die Börse gegangenen Unternehmens zu kaufen?

Börsengänge sind anfällig für den berüchtigten «First-Day-Effekt». Besonders bei stark beworbenen IPOs bekannter Unternehmen schnellen Kurse und Nachfrage am ersten Handelstag in die Höhe nur um später wieder zu korrigieren.

Tatsächlich zeigt die Analyse von 1'247 Börsengängen zwischen Mai 2025 und Mai 2026: Selbst wenn die Median-Renditen positiv sind, sinken sie nicht nur stetig über die Zeit, sondern ein erstaunlich hoher Anteil dieser IPOs weist negative Renditen auf. Das bedeutet: Die Wahrscheinlichkeit, bei einem Börsengang Geld zu verlieren, ist sehr hoch nur die Gewinner zeigen hohe Renditen.

ZeitraumDurchschnittsrenditeMedian-Rendite% Negativ
1. Tag (Schlusskurs)15.86%1.50%27.07%
1 Woche nach IPO17.03%1.49%29.54%
6 Monate nach IPO13.99%1.30%40.23%
1 Jahr nach IPO13.84%0.43%47.60%

Das führt uns zur Antwort auf die obige Frage: Nein, am ersten Handelstag in ein Unternehmen zu investieren, lohnt sich nicht. Die meisten Unternehmen erleben dann eine Korrektur des anfänglichen Hypes, der im Kurs eingepreist war. Selbst wenn die Renditen in der ersten Woche leicht steigen, fallen sie danach wieder. Die Durchschnittsrenditen mögen leicht steigen, aber sowohl der Median sinkt als auch der Anteil negativer Renditen steigt.

Die bessere Strategie: Prüfen Sie kurz die finanzielle Gesundheit und den Zweck des Unternehmens. Entscheiden Sie, ob sich eine langfristige Investition wirklich lohnt, statt sich von kurzlebigem Markt-Hype leiten zu lassen. Kurz gesagt: Ein IPO ist keine Wunderlösung. Verlassen Sie sich lieber auf Ihre eigene Sorgfaltsprüfung als auf Schlagzeilen, wenn Sie die Chancen zu Ihren Gunsten drehen wollen. Wie immer in der Finanzwelt gilt: Das genaue Ergebnis vorherzusagen ist unglaublich schwierig.


Ihre Zukunft, gemeinsam

Optimisten und Pessimisten beweisen seit jeher: Unterschiedliche Sichtweisen führen zum gemeinsamen Ziel. Genau das gilt auch für Ihre finanzielle Zukunft. Ob Sie das Glas halbvoll oder halbleer sehen, die Vorsorgeplanung verbindet uns alle.

Bei Alpian sind wir überzeugt: Ihre Vorsorge bildet das Fundament für eine sichere Zukunft, unabhängig von Ihrer Anlagestrategie. Damit alle Anlegertypen diese Sicherheit aufbauen können, erweitern wir unser Vorsorgeangebot.

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Weitere Details folgen in Kürze. Denn bei Ihrer finanziellen Zukunft sollen Sie mit Ihrem Plan rundum zufrieden sein.

Hinweis: Anlagen sind mit Risiken verbunden, einschliesslich des möglichen Verlusts des eingesetzten Kapitals. Der Wert von Anlagen kann schwanken und es gibt keine Garantie für Gewinne oder die Vermeidung von Verlusten. Diversifikation gewährleistet keinen Gewinn und schützt nicht vor Verlusten. Potenzielle Anleger sollten vor einer Anlageentscheidung einen qualifizierten Finanzberater konsultieren. Bitte lesen Sie vor einer Anlage die vollständigen Risikohinweise und andere relevante Dokumente auf unserer Website.